Baustelle Inklusion

Um über dieses Thema diskutieren oder mitreden zu können, ist es mir ganz persönlich wichtig, zuerst einmal festzustellen, dass es sich hierbei nur um ein kleines Teilgebiet von Integration bzw. Inklusion handelt. Ich muß jedoch sagen: Es ist das wichtigste Gebiet dieses umfassenden Themas, denn was hier während der Kindheit als Grundlage für das gemeinsame Lernen und Arbeiten von Menschen mit und ohne Behinderung (egal welcher Behinderung und welcher Schwere dieser) gelegt wird, ist entscheidend für die Entwicklung einer Gesellschaft, in der Integration und Inklusion etwas völlig normales sind. Bis dahin ist es allerdings ein weiter und „steiniger“ Weg.

Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass es gerade im Bereich der schulischen Bildungseinrichtungen davon abhängt, ob sich die Schule darauf einlässt, dass ein gemeinsamer Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung immer einen gewissen Mehraufwand in der Vorbereitung der einzelnen Unterrichtsstunden für die Lehrkräfte bedeutet. Hier kommt es also auf das Engagement der jeweiligen Lehrkräfte an, jedes Kind entsprechend seiner Begabungen und Fähigkeiten anzusprechen und einzubinden, was jedoch recht schwer sein kann, da jede Behinderung andere Herangehensweisen verlangt.

Ich selbst habe einen stark sehbehinderten Sohn (ca. 10% Sehvermögen). Er wird integrativ in einer Görlitzer Grundschule beschult und geht mittlerweile in die dritte Klasse. Wir als Eltern hatten selbst lange Bedenken, ihn inklusiv lernen zu lassen, da es unsererseits Zweifel gab, ob er dies schaffen kann und es für ihn wirklich förderlich ist. Dazu kommt, dass wir als Eltern selbst stark sehbehindert bzw. fast blind sind. Seine jetzige Klassenlehrerin hat sich jedoch stark dafür eingesetzt, dass er an diese Schule kommt. Wir kennen seine Lehrerin nun schon fast sieben Jahre, da sie vorher bereits unseren ältesten Sohn in ihrer Klasse hatte.

Sie als Lehrkraft bringt aus unserer heutigen Sicht die besten Voraussetzungen für eine Pädagogin mit, die in ihrer Klasse Inklusion praktiziert. Sie ist Lehrerin, Krankenschwester und besitzt eine Ausbildung im Bereich der Sonderpädagogik. Dies ist leider nicht der Normalfall unter den Lehrern, begünstigt aber inklusive Schule erheblich. Dazu kommt ihr persönliches Engagement.

Unser Sohn hat alle notwendigen Hilfsmittel, die ihm das Lernen erleichtern. Seine Lehrerin setzt verschiedene Methoden ein, die der gesamten Klasse helfen, um das Auge sinnvoll schonend einzusetzen. Dies hat sie aber bereits unabhängig davon gemacht ohne die notwendigen Unterstützungen für Sehbehinderte zu kennen. Dazu hat unser Sohn eine Begleitung der zuständigen Schule bzw. Integrationsstelle aus Chemnitz. Hier werden zweimal im Schuljahr die erreichten Lernstände ausgewertet, unterstützende Maßnahmen besprochen und gegebenenfalls wichtige Hinweise zur Verbesserung dieser ausgetauscht.
So wird darauf geachtet, dass unser Sohn stärkere Liniaturen in den Schulheften benötigt, das zu kleine Schriften bzw. Bilder entsprechend vergrößert werden oder Schreibutensilien dickere Minen haben und ähnliches. Weiterhin achtet man an der Schule darauf, dass er im Sportunterricht nur die Disziplinen mitmacht, die sein derzeitiges Sehvermögen nicht gefährden.
Unser Sohn wird auch in außerschulische Angebote der Schule (Ganztagsangebote) eingebunden. So nimmt er aktiv an einer Bläsergruppe (Bariton) und einer Musical-AG teil. Hier übernimmt er Textrollen, aber auch mal eine Solostimme in einem Lied.

Heute können wir dankbar sagen, dass er wirklich inklusiv beschult wird. Seine Fähigkeiten und Begabungen werden herausgefordert und entsprechend gefördert. Wir können nur ermutigen dazu, zu prüfen, ob man sein Kind inklusiv beschulen lassen möchte. Eins muss den Eltern aber immer bewusst sein: Inklusion hängt nicht nur von der entsprechenden Bildungseinrichtung ab. Das persönliche Engagement der Eltern ist ebenfalls gefragt. Wir als Eltern müssen uns aber ganz klar bewusst werden darüber, dass es sehr genau abgewogen werden sollte, ob die jeweilige Behinderung eine inklusive Beschulung zulässt. Die Antwort auf diese entscheidende Frage ist Voraussetzung für den Erfolg der Inklusion des betroffenen Kindes.

Ich stehe Ihnen gern für weitere Fragen und Hilfen unter unten stehenden Kontaktdaten zur Verfügung:

Mike Thomas
Tel.: (03581) 414085
E-Mail: mikethomas(at)t-online.de

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